Der Ritterschlag
Heute, am 14.7.2009, erhielt ich – vermutlich zum letzen Mal – Post von der DIE LINKE. Die Landesschiedskommission setzte mich darüber in Kenntnis, dass ich aus der Partei DIE LINKE ausgeschlossen werde.
Ich war schon überrascht zu lesen, dass der Antrag auf meinen Ausschluss am 17.4. gestellt worden war und die mündliche Verhandlung am 4.6. in meiner Abwesenheit durchgeführt worden ist, weil ich unentschuldigt fehlte. Überrascht war ich deswegen, weil ich heute zum ersten Mal von dem Verfahren gegen mich erfuhr. Bisher bin ich eigentlich davon ausgegangen, dass man zu seinem Ausschlussverfahren eingeladen wird und zu den Vorwürfen Stellung beziehen kann. Doch Fehlanzeige. Und wie soll ich mich entschuldigen, wenn ich zu einer angesetzten Verhandlung gegen mich keine Einladung erhalte?
Also beziehe ich hier Stellung
Als ich im Jahre 2004 erstmalig einer politischen Partei beitrat, wählte ich die PDS ganz bewusst als Partei links von der SPD. Solange ich denken kann, bin ich ein politisch engagierter Mensch, ich habe mich u.a. seit 1982 ehrenamtlich in der Jugend- und Bildungsarbeit der Gewerkschaft ÖTV, als Zivildienstleistender im Sozialen Friedensdienst des Kirchenkreises Gelsenkirchen und nach dem am Abendgymnasium nachgeholten Abitur im Studium als Fachschaftsvertreter im Fachbereich meiner Universität engagiert. Parteipolitisch stand ich aufgrund meiner Herkunft als Arbeiterkind, meiner politischen Sozialisation in der Gewerkschaftsjugend und der Friedensbewegung der 1980er Jahre den Grünen und der SPD nahe, hatte mich aber immer für ein Engagement außerhalb dieser beiden Parteien entschieden. Erst die Politik der rotgrünen Bundesregierung, insbesondere die Beteiligung am Krieg gegen Jugoslawien und die neoliberale Politik, hatten das verändert.
Nach dem abgeschlossenen Studium war ich zunächst damit beschäftigt, mich um meine prekäre berufliche Situation zu kümmern. Als Mitglied der PDS konnte ich mich daher aufgrund meiner Arbeitszeiten nur randständig beteiligen, war bei Infoständen zur Landtagswahl in NRW 2005 mit dabei und diskutierte mit den Bürgern meiner Heimatstadt, die sich „wunderten“ dass ich keinen sächsischen Dialekt sprach. Die von mir damals befürwortete Fusion aus Linkspartei.PDS und WASG habe ich wegen eines erneuten Jobwechsels größtenteils nur von außen miterlebt, in E-Mails, Artikeln der örtlichen Tageszeitung WAZ und Berichten von anderen, die gruselig genug waren.
Erst seit der gemeinsamen (Gründungs-)Mitgliederversammlung am 1.9.2007 erlebte ich selbst die Aggressionen und Konflikte zwischen ExWASG und ExPDS in Gelsenkirchen, die unsolidarischen Angriffe, Beschimpfungen, Beleidigungen usw. aus den Reihen der ExWASG auf die Mitglieder im Rat der Stadt, die seit Jahren linke Politik machten. Angriffe, die offenkundig nur dem Zweck dienen, sich selbst in Szene zu setzen um den begehrten Rats-Posten zu ergattern. Politik wurde und wird gleichgesetzt mit „Flyer verteilen und Stände machen“, Inhalte werden im wesentlichen auf Schlagworte wie z.B. „Weg mit Hartz IV“ reduziert.
Im öffentlichen Forum der örtlichen Tageszeitung WAZ werde ich von jemandem, der inzwischen zu den Grünen gewechselt ist, als „Stalinistenfreund“ beschimpft und vom Sprecher eines LINKEN Bezirks als jemand, der nicht nur Stalin, sondern vielleicht auch die Gulags wiederhaben will, um nur zwei Beispiele des „solidarischen Miteinanders“ zu nennen. In der Vergangenheit bin ich ganz bewußt keiner Partei beigetreten und ich musste leider erfahren, dass „DIE LINKE. Kreisverband Gelsenkirchen“ wesentlich schlimmer ist als alles, was ich mir vorstellen konnte.
Aus diesen Verhältnissen zogen andere – wie ich auch – den Schluss, dass mit dieser LINKEn in Gelsenkirchen keine Politik möglich ist. Wir gründeten „Die Linke Alternative – Offene Liste Gelsenkirchen“ und treten zur Kommunalwahl am 30.8.2009 an. Vor diesem Hintergrund habe ich natürlich erwartet, dass ich aus der Partei DIE LINKE ausgeschlossen werde. Nicht erwartet habe ich jedoch dieses unfaire Verfahren, zu dem ich weder eingeladen noch angehört werde, sondern einen Monat nach dem Ausschluss erfahre, dass ich ausgeschlossen worden bin.
Fast 40 Jahre meines Lebens bin ich kein Mitglied einer Partei gewesen. Nach den Erfahrungen in der DIE LINKE werde ich das sicherlich nicht vermissen. Doch aus dieser Partei auf diese Art und Weise ausgeschlossen zu werden gleicht einem Ritterschlag.
15/07/2009 um 06:40
Klar im Vorteil sind die Erleuchteten, wenn sie neben der Fähigkeit brillianten Blödsinn zu schreiben, auch die Fahigkeit zum Lesen mitbringen würden. So z.B. das Lesen von Satzungen.
Ob mit oder ohne Einladung ist dabei bedeutungslos. Insbesondere da die „Offene Liste Gelsenkirchen“ gerne mal Einladungen vergisst, wenn es um die Aufstellung ihrer eigenen kandidaten geht.
15/07/2009 um 08:04
Dieser Kommentar vom LINKEN Vorstandsmitglied ist typisch. Natürlich ist es nicht bedeutungslos, ob man eine Einladung erhält und seine Beweggründe der Landesschiedskommission darstellen kann oder ob man diese Möglichkeit nicht erhält. Aber derartige Rechte gelten wohl nicht für alle.
§ 9 der Schiedsordnung der Partei DIE LINKE sagt u.a.
(4) Die Einladung ergeht schriftlich und muss enthalten: Ort und Zeit der Verhandlung, die Mitglieder der Schiedskommission, eine Belehrung über das Recht, Mitglieder der Schiedskommission abzulehnen.
15/07/2009 um 10:18
aus der PDS bzw. aus DIE LINKE ausgeschlossen zu werden war in der Tat ziemlich schwierig … weder Weckesser/Ostrowski, noch die Hamburger „Liste Links“ waren bisher davon betroffen
15/07/2009 um 10:23
In Gelsenkirchen bleibt halt alles anders ….
15/07/2009 um 16:48
„Die Linke trotzt der Wirtschaftskrise! Bratwurst XXL und Kaffee und Kuchen wie bei Muttern.“
(1.Mai-Losung der LINKEN GE)
Ach, Jürgen Kasten. Komm, erzähl uns eine Satzung!
„Verwurzelt in der Geschichte der deutschen und der internationalen Arbeiterbewegung, der Friedensbewegung und dem Antifaschismus verpflichtet, den Gewerkschaften und neuen sozialen Bewegungen nahe stehend, schöpfend aus dem Feminismus und der Ökologiebewegung……..“ heißt es in der Präambel auch der Satzung der Gelsenkirchener „Linken“.
Warum fällt mir ums Verrecken nicht ein, wer von Eurem Verein damit gemeint sein könnte?
„
16/07/2009 um 22:01
Der Typ mit dem Umweltbrenner „schöpft“ doch bestimmt aus der Ökologiebewegung
Und in der deutschen Bewegung sind bestimmt auch einige verwurzelt, man muss nur die Arbeiter und die internationalen weglassen
16/07/2009 um 13:23
Relativieren wir:
Aufgrund der Verhältnisse gingen viele Mitglieder nicht nur in die DLA/OL sondern auch zu den Grünen.
Der „Stalinistenfreund“ schimpfende Grüne ging zuerst in die WASG und verlässt demnächst laut Ankündigung die Grünen.
So *anguck*. Nachdem das ergänzt wurde ist das ein sehr feiner Bericht Knut
16/07/2009 um 13:53
Ergänzen wir weiter:
Ein LINKE-Kandidat aus dem Süden ging zur SPD (kandidiert aber noch für DIE LINKE).
Es gingen mehr Leute zur Linken Alternative als zu den Grünen.
Wenn wir über den gleichen „Stalinistenfeind“ reden, dann war er erst Mitglied der PDS, ging, wurde Mitglied der WASG, durch die Fusion Mitglied der DIE LINKE, ging, wurde Mitglied der Grünen und kandidiert für sie in Erle, machte sich bei den Freunden der Stolpersteine ziemlich unbeliebt und gab sich als Sprecher des Bündnis gegen Rechts aus, und verlässt jetzt die Grünen. Vielleicht geht er ja zu Paulis Freier Union und kämpft demnächst für die Ehe äh Parteimitgliedschaft auf Probe?
16/07/2009 um 20:00
gibt es eigentlich so etwas wie „Deutsche Meisterschaften im Sammeln von Parteimitgliedschaften“?
16/07/2009 um 21:56
Och, in der Gelsenkirchener LINKE gibt’s noch so einige Parteienhopper. Da sind Leute, die mal in der CDU oder SPD waren und über die WASG in DIE LINKE kamen, jemand von FAKT und ich glaube der „Partei für Deutschland“ oder so ist auch dabei. Also insgesamt eine ziemlich lächerliche Ansammlung
17/07/2009 um 21:36
Einen überaus lustigen Kommentar zu diesem Beitrag gibt’s hier
http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/gelsenkirchen/2009/7/17/news-125990711/detail.html (#5)
Ich hab selten sooooooooooo gelacht …
17/07/2009 um 21:57
Unglaublich lustig. Besonders folgender Satz hats in sich:
„Das Sprachrohr der Ewig Gestrigen lautet nicht mehr: Der schwarze Kanal – sondern „Der rote Emscherbote“ getreu der erlernten Ideologie im Zuge der politischen Intriegen der vom Bundes- oder Landesverband der Linken Ausgeschlossenen Mitglieder, die grob fahrlässig gegen die Parteisatzung verstoßen haben.“
Von welchem Poeten das wohl stammt? Für den Bezirksvorsteher ist es noch etwas früh am Abend.
17/07/2009 um 22:11
Vielleicht ist er ja heute früher aufgestanden?
Lustig ist auch dieser Satz:
„Tatsachenverdrehung a la „Ewig Gestriger DDR-Zeiten“; der „Gelsenkirchener Karl-Eduard von Schnitzler“ ergießt sich in verleumderischen Haßtiraden gegen die Linke in ihrem Propagandapamplet des roten Boten.“
Ich komme aus dem Lachen gar nicht mehr heraus. Mich in die DDR-Ecke zu schieben und mit Schnitzler zu vergleichen ist so dermaßen abwegig, das niemand der mich kennt, auch nur einen Gedanken daran verschwenden würde.
11/10/2009 um 10:55
[...] tun, aber das sind ja alles sogenannte „Abweichler“. Nur sind langsam wohl keine „Abweichler“ mehr übrig, die man für die hausgemachte Misere verantwortlich machen und aus der Partei [...]
19/12/2009 um 07:28
[...] sind leider keine „Abweichler“ und „Altlasten“ mehr übrig, die man für die hausgemachte Misere des Gelsenkirchener [...]